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Der Drang nach aussen. „glut“, das neue Orchesterstück von Dieter Ammann

Manuskript 'glut'

Grösstmögliche Vielfalt des musikalischen Materials verspricht Dieter Ammann für glut, das Markus Stenz am 11., 12. und 13. Mai in Zürich mit dem Tonhalle-Orchester uraufführen wird.

„Eine Welt, deren innere Glut, zu Klang geformt, nach aussen drängt“: So umschreibt Dieter Ammann sein neues Orchesterwerk, das im Rahmen der „Œuvres Suisses“ für das Tonhalle-Orchester und dem Berner Symphonieorchester entstanden ist. glut ist als Titel sowohl auf Deutsch wie im Englischen Programm. Übersetzt bedeutet es Überfluss, aber auch Leidenschaft. Dieter Ammanns Musik ist generell durch ihre offene, energetische, überraschende und kommunikative Qualität gekennzeichnet und immer wieder durch eine hohe Dichte, eine raffiniert ausgeklügelte Textur. glut nun setzt diesen Gestus fort: „Selbst für meine Verhältnisse“, sagt Ammann, ist das neue Werk „von einer ausserordentlich hohen Dichte der Ereignisse geprägt. Diese Dichte bezieht sich nicht nur auf das gleichzeitig Erklingende, also die Vertikale, sondern auch auf die Vielzahl und Komplexität der verarbeiteten Klangvorstellungen und somit auf die Mannigfaltigkeit der Texturen, welche sich im Verlauf des Stücks sukzessive entfalten.“

Grösstmögliche Vielfalt des musikalischen Materials wird eingesetzt, um den „Klangkörper Orchester“ von verschiedenen Seiten her auszuleuchten und die akustische Vision zu realisieren. Es entsteht eine sich permanent ändernde Topographie der klanglichen Erscheinungen, die dramaturgisch einerseits durch Vor- und Rückbezüge von Ereignissen zusammengehalten wird, andererseits durch „stehende“ harmonische Felder, von denen einige aufgrund ihrer zeitlichen Ausdehnung die Funktion von Zäsuren übernehmen und dadurch den formalen Verlauf fassbarer machen, ähnlich wie dies in der dur-moll-tonalen Musik die Kadenzen übernehmen.

glut, diesmal im Sinne von Leidenschaft, wird auch zu einer Metapher für den Vorgang des Komponierens: Der Titel steht, so Ammann „auch für die Passion, monatelang an einem Ort zu forschen, sich einzugraben in die unendliche Masse der möglichen Klänge und so in Bereiche vorzustossen, die einem zuvor unbekannt waren. Dort ist nur mehr langsames, intuitives Vortasten möglich, um dem Imaginierten Kontur zu verleihen. Gleichzeitig muss aber eine derart sich entwickelnde Musik in jeder Dimension, also vom einzelnen Ton über ganze Passagen bis hin zur Grossform, auf ihre Substanz befragt und geprüft werden, was wiederum ein rationales Vorgehen erfordert. Die Arbeit an diesem Stück hiess daher auch, den Widerspruch auszuhalten, als Suchender in einer Welt unterwegs zu sein, deren eigener Schöpfer man gleichzeitig ist.

Marie Luise Maintz
(aus [t]akte 1/2016)

Tickets: http://www.tonhalle-orchester.ch


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15.11.2016


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